Das Flattern der Palme

11 Millionen! Lässt sich das überhaupt irgendwie vorstellen? Das können in diesem Umfang hüpfende Regentropfen nach einem heißen Tag sein oder Lichterpunkte am magischen Sternenhimmel in den Weiten der Prärie oder die gerippelten Wogen der reifen Ähren eines Weizenfeldes … Bilder, um sich anzunähern, also ja, so kann ich es mir vorstellen.

Diese unglaublichen 11 Millionen entsprechen den erfassten Sinneseindrücken unseres Gehirns in einer Sekunde! Doch nur 40 davon wählt unser Bewusstsein aus, um das Außen zu verstehen[1]. Und was ist mit dem Rest? Was sind das für Dinge, von denen ich keine wirkliche Ahnung habe, weil sie irgendwo in einer verschlossenen Bibliothek meines Geistes herum liegen?

Intuitiv nehme ich Unsichtbares auf, als läge ein silbrig fließender Tarnumhang darüber, der mir einfach nicht verraten will, was es noch zu sehen gibt. Er soll mich schützen. Doch was sehen meine Sinne? Schimmert es durch meinen Geist mit Ahnungen und Annahmen, die dort ihren Ursprung finden und mir eine innere Sicherheit schenken, als sei ich eine glückliche Schwalbe, die am oberen Rand des Abendwindes segelt?

Ich werde die biologischen Tatsachen nicht verändern können, doch … vielleicht lässt sich ein klein wenig mehr hinaus tasten, denn dem Menschen war immer Unmögliches erreichbar, wenn er an sich glaubte, sich über angeblich Festgeschriebenes hinwegsetzte und einfach in das Unbekannte reiste.

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Es ist noch früh am Morgen und ich wässerte die sommerlich trockene Erde, verweilte bei den schon arg mitgenommenen Pflanzen, bis mich etwas an der Schulter berührte und mit einem aufgeregten Rascheln ein Lächeln zauberte. Für einen intensiven Moment betrachtete ich die dort stehende Fächerpalme und empfand sie anders … ein völlig übermütiges Wesen erzählte.

Ich konnte nur noch nicken, hielt mein Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne und spürte den Rand des Windes.

So lässt sich das innewohnende Zuhause erkunden, denn heute waren es 41 Dinge …

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Anm. z. Titelbild: PHOTO by Ilaria Boulevard on Unsplash

[1] Neurowissenschaftler Prof. Christoph Kayser im Interview; er leitet die Forschungsgruppe „Kognitive Neurowissenschaften“ an der Universität Bielefeld.