Ort des Findens

Es nieselt; ich ignoriere es. Meine Balance kippt ein wenig; ich ignoriere es. Meine Füße werden kalt; ich ignoriere es, finde es aber nicht so toll, dass mein Bewusstsein immer herumflattern muss, obwohl ich es nicht will.

In der Hocke auf Zehenspitzen und mit abgelegten Händen auf meinen Knien nehme ich alles Mögliche um mich herum wahr: Nasse Blätter rieseln kreuz und quer, die Luft ist mild für den frühen Morgen und Vögel spielen lauthals im Knick, als sei es der letzte neue Tag; das nasse Gras kitzelt ein klein wenig an meinem linken Zeh und ich denke darüber nach, warum es sich eigentlich bewegt. Es fällt mir nur ein Grund ein: Es ist nicht das Gras. Trotzdem schaue ich nicht; was soll es sein, außer ein Regenwurm, eine Ameise, ein Käfer oder sonst etwas, was seinen Weg geht.

Der Wind lässt nun den leichten Regen von vorn kommen, als wollte er mich aus einer Laune heraus ein wenig anstupsen. Leise lache ich in mich hinein, da muss nun aber mehr kommen, um mich zu kippen. Kaum diesen Gedanken gedacht, lässt der Wind nach; ich freue mich und schicke einen Gruß; jetzt rieseln die Tröpfchen nur noch ganz weich in meine Handflächen.

Auf meinen Körper konzentriert, beobachtete ich: Aha, jetzt bewegt sich der Knochen hier und jetzt entspannen meine Arme noch mehr und jetzt senken sich die Schultern und meine Wirbel stellen sich einer nach dem anderen an den richtigen Platz, mein Oberkörper wird aufrechter und mein Schwerpunkt tiefer, bis einfach nichts geschieht … fast nichts.

Das Fast-Nichts schließt ganz entspannt meine Augen; es lässt sich so besser sehen … schön!

Photo by Vlad Kutepov on Unsplash

Ein Blatt … ohne es zu wissen, besitzt es alles was es braucht; niemand erzählt ihm, wie etwas zu tun ist und niemand sagt ihm, wo etwas zu finden ist und trotzdem findet es …