The unknown

Neugierde könnte fast ein Laster sein, wenn es nicht am Rand der Definition herabgleiten würde; sie war nicht abträglich für mich; sie kreierte!

Ein Wissen-wollen brachte mir bisher bei, das Labskaus echt nicht schmeckt, dass Herdplatten verdammt heiß sein konnten und dass selbst gepulte Krabben mich aus der Suppe anschauten. Fragen holten uns die Welt in greifbare Nähe und je näher sie kam, umso leichter verstanden wir sie. Als Kleinkinder nahmen wir die Dinge in den Mund, um überhaupt irgendeine Vorstellung bilden zu können. Als Erwachsener können wir viel umfassender an Neuland herangehen; Fragen gehörten zu unserem Werkzeug.

Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unseren Vorstellungen von der Welt noch weit von dem Machbaren entfernt sind. Vieles empfinden wir intuitiv und besitzen trotzdem die Sicherheit, dass in einem Gedanken etwas Wertvolles versteckt ist; können es aber nicht benennen. Jedenfalls geht es mir ständig so.

Deshalb stand ich in meinem Flur und überdachte die Gestaltung. Man muss dazu sagen, ich habe Feng Shui für mich entdeckt und jeder in meiner Nähe erfuhr von meinen neuesten Entdeckungen und Selbsttests. Bisher erntete ich genügend skeptische Blicke und den „die Arme-ist-dem-Esotrip-verfallen-Ausdruck“. Mitunter ignorierte ich jegliche Bemerkung. Für mich zählten die Ergebnisse.

So räumte ich seit einigen Monaten, was das Zeug hielt. Jeder Raum barg tausend Dinge, die ich untersuchen wollte: War ein Gegenstand genau etwas, was mich erfreute oder war es nur geliehen oder zogen sich beim Anblick dunkle Wolken ins Empfinden oder zeigte sich bereits Verschleiß oder war es ein Geschenke-Gräuel oder lag es noch ungenutzt seit Jahren im Schrank? Bis jedes Ding dieses Interview überstanden hatte, brauchte es Zeit. Meine Papier- und Restmülltonne füllte sich schneller, als ich schauen konnte. Doch gut Erhaltenes wurde gespendet und Geliehenes fand seinen Weg zurück.

Die Wechselwirkung zwischen jedem einzelnen Ding und mir zeigte sich eindeutig. Wobei das Aufräumen und Klären noch dem leichten Teil der selbstgestellten Aufgabe entsprach. Die wahre Challenge entpuppte sich erst noch: die Betrachtung des Istzustandes einer Räumlichkeit unter verschiedenen Aspekten. War es hell oder dunkel, gefielen mir noch die Farben? Waren sie beruhigend oder energiegeladen? Mochte ich an jeder Stelle meines Zuhauses mich aufhalten, meinen Kaffee trinken oder mich wegträumen?

Wie viele Zweifler gab es, die den Zustand ihrer vier Wände einfach ignorierten! Es ging nicht um teures Interieur. Es ging um unser Zuhause, mit dem wir Wohlgefühl, Stabilität, vielleicht auch Kreativität oder Geborgenheit zaubern konnten. Ein Raum besaß Macht und einen direkten Zugriff auf uns selbst!

Natürlich könnte man daher kommen und sagen, Räume sind Räume, die werden halt genutzt, Punkt, aus. Da gab es Funktionalität nichts weiter. Doch wäre diese Sichtweise nicht ein Leugnen und auch vor allem ein Unterschätzen unserer sekündlichen Wahrnehmung?

Was ist mit unseren Sinnen, die ein Außen zu jeder Zeit abscannen? Wir betrachten einen Sonnenuntergang und Ruhe durchströmt unser Inneres; wir hören entfernte Klaviertöne und fühlen uns durch sie getragen; wir streichen über das Fell eines Hundes und Liebe erfasst unser Herz; wir genießen den Duft des taufrischen Blätterbodens im Wald und möchten am liebsten darin versinken; wir schmecken die unglaublichen Aromen frischer Nahrung und zelebrieren Zufriedenheit. Unsere Sinne waren immer wach und registrierten, auch wenn wir es nicht bewusst bemerkten.

Wenn ich mir über diese Resonanz im Klaren war, so schien es fast fahrlässig, das Außen in unserer Nähe nicht einer Prüfung zu unterziehen. Welche Eindrücke hinterließen ihre Abdrücke in unserem Innern? Erfreute oder beschwerte es? Dieser Gedanke war aber nur die eine Seite! Wenn ich so fragte, dann betrachtete ich lediglich, welche Auswirkung das Außen auf mich besaß. Wenn ich meinen Finger genau an diese Stelle legte, als würde ich mir einen Gedanken zwischen den Zeilen eines Buches merken wollen, dann beinhaltete dieser Gedanke eine weitere Tür, die damit noch nicht geöffnet schien.

Dies bewusst angewandte Werkzeug der Veränderung löste einen Strom von Energien wie Wohlgefühl und gute Laune in mir aus. Dies wandelte unweigerlich meinen Ausdruck nach außen. Wenn ich also den Gedanken der Resonanz weiterführte, dann geschah etwas, womit wir nach außen strahlten! Und an dieser Stelle sollen die ausgelösten Bewegungen enden? Das glaube ich nicht!


Anm. z. Titelbild: Photo by Aaron Burden on Unsplash