Ho Ka Hey Wah Nah

Es ist immer die Entscheidung im eigenen Handeln, die den Unterschied ausmacht. Sei es das Tun oder das Nicht-Tun (nicht zu verwechseln mit dem Nichtstun). Wie können wir irgendjemandem das Handeln vorwerfen? Doch es gibt die zweierlei Formen, die den Menschen sich entweder zu einem Monster entwickeln lassen oder die das eigene Wachsen kennzeichnen. Wenn unser Handeln dem Leben Anderer ein Ende setzt gleich einem Menschen, der nur im Vorübergehen eine Ameise zerdrückt, ohne Sinn, ohne Grund, einfach nur, weil es geht, dann ist es der Wunsch, einmal im Leben die Macht über Sein oder Nichtsein zu besitzen. Wenn unser Handeln innere Zäune übersteigt, wir mit Herzklopfen und Mut unser Tun begleiten, da es neues, unbekanntes Land betritt gleich Kolumbus, der an der Reling stand und seinen Traum verwirklicht sah, dann ist es ebenso die Macht über Sein oder Nichtsein.

Das Schwimmen im Strom der Zeit kann uns so sehr beschäftigen, dass wir glauben, mit diesen Bewegungen bereits das eigentliche Leben erreicht zu haben; schließlich ist es der Versuch, nicht die steten Wellen der Existenz über uns zusammenschlagen zu lassen. Doch dies Dahingleiten ist nur das stille Atmen, ein Verharren in der Funktion des Körpers. Das wirkliche Handeln beinhaltet Entscheidungen, ein Abwägen über das Für und Wider unseres aktiven Handelns, das seine Schwingungen bei anderen Menschen fortsetzt und vor allem unsere Blickrichtung verändert. Plötzlich nehmen wir die Bewegungen unseres Gegenübers wahr, die schon immer direkt vor unserer Nase stattgefunden haben, die allerdings bisher durch die stete Selbstbetrachtung nicht einmal ihr Vorhandensein offenbarten.

Die Erkenntnis geht mit dem Zwang zur Handlung einher; unterwerfen wir uns diesem nicht, müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob unser Vorhandensein überhaupt irgendeinen Sinn hat. Das Leben nutzen, nur um irgendwie zu existieren? Wenn wir am Bett eines kranken Kindes sitzen und einfach da sind, dann ist es trotzdem eine Form des Handelns! Wir zeigen unsere Liebe und Fürsorge, die im Fieberwahn des Kindes seine breiten Flügel entfalten kann. Wir sind aktiv! Wir leben, weil wir anderen die Grundlage für ein Leben schenken. Doch ein Dasein mit dem Abspulen eines routinierten Alltages, der lediglich unsere Funktionen durch Essen und Schlafen erhält, ist ein Dasein mit dem Warten auf den Tod, der hoffentlich der Qual ein Ende bereitet.

Bei einer Diskussionsrunde innerhalb des eigenen Kopfes kann es natürlich zu lauten Stimmen kommen, die mich beschimpfen: Du hast gut reden! Hab mal nicht genug Geld, nicht genug Wohnraum oder einfach nicht genug Liebe! Wenn Du den Unbillen des Lebens ausgeliefert bist, dann denkt niemand über das eigene Weiterentwickeln oder so einen Quatsch nach. Da zählt das pure Überleben! Stimmt, das ist dann selten der Fall, da einem gerade dieses Übermaß an Sorgen den Raum zum Denken nimmt. Und trotzdem! Gibt es dann nicht irgendwo einen winzig kleinen Riss im Weltgefüge, in den ich meinen Zeigefinger legen kann, um die Sicht ein wenig zu vergrößern? Obliegt es nicht uns selbst, über eine Veränderung nachzudenken, die ihren Anfang in den eigenen Überlegungen findet? Natürlich wird es immer Menschen geben, die genau an dieser Stelle Anderen für ihr eigenes Nicht-Tun die Verantwortung übertragen, um sich selbst überhaupt noch im Spiegel betrachten zu können. Es ist die simpelste Form, Kritik von uns selbst fern zu halten. Sind es wirklich immer die Anderen? Sind sie nicht eher die Steinewerfer für unseren Weg, den wir nicht bereit sind, freiwillig einmal etwas schlängelig zu gehen?

Die Antwort über ein Sein oder Nichtsein finden wir nur in uns selbst; bei manchen Leuten ist sie zugeschüttet, bei manchen mit einer Schleife verziert hoch oben auf den Gedankenschrank gesetzt und bei manchen wird sie einfach übersehen. Jeder Moment, sei es ein ruhiger, ein aufregender, ein beschäftigter, ein trauriger oder ein sinnleerer, ist dafür geschaffen, die Antwort mit beiden Händen zu ergreifen. Ihre Betrachtung kann nebenbei erfolgen – das Wo und Wie ist nicht wichtig. Das Hineinziehen in unsere aktive und bewusste Zeit ist der wesentliche Punkt, denn hier sollte diese Antwort immer und immer wieder erneut von allen Seiten begutachtet werden, bis schließlich aus dem Gedanken eine Vision und aus der Vision ein Handeln entsteht.

Wann fangen  wir an, das Leben als ein Geschenk zu sehen? Als ein Geschenk, welches erst seinen Sinn erfüllt, wenn wir unseren Beitrag dazu leisten! Gleich einem Spielzeug in unseren Händen, das erst als solches benannt werden kann, wenn wir auch wirklich damit spielen!

Egal an welchem Punkt wir in unserem Leben stehen oder wie alt wir sind:

Nehmt dies Geschenk ganz fest in Eure Hände und lauft!

 

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Anm. z. Titel: Schlachtruf der Sioux Indianer – Los geht‘s!
Anm. z. Titelbild: Ölbild von der Kunstmalerin Angelika Pöter http://www.angelika-poeter.de