Allegro con fuoco

Drei Töne, der Bass spielt ein, ein Erkennen der Stimme, ein tiefes Luftholen, ein noch leises Jubeln und es hält mich nichts mehr auf dem Platz. Ein Aufspringen, ein Lächeln wird zu einer allumfassenden Freude. Der Funke springt auf Finger, Hand, Arm über und dann ist es geschehen: Die Liebe zur Musik hat sich meiner bemächtigt, ergriffen und zieht mich in Höhen, die ich nie wieder verlassen möchte, denn hier bin ich ganz und mein Körper übernimmt mit jeglichem Ausdruck der Freude das Tragen der Melodie. Meine Finger streichen über die Energien der in der Luft befindlichen Schwingungen, nehmen sie auf und folgen ihren eintretenden Harmonien. Sie lassen sich ergreifen, mit geschlossenen Augen und allen Sinnen erfassen, um in einem mutigen Sprung des Seins die ausgebreiteten Flügel in die Wärme des Auftriebs zu halten. Die weichen Federn meines Empfindens fangen die vibrierende Luft um mich herum ein und denken über alle Zeiten und Welten hinweg:

 

Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus,

Flog durch die stillen Lande

Als flöge sie nach Haus.[1]

 

Der Gedanke hält mit einem Atemzug das Tempo an und bindet es für eine Sekunde, um schließlich mit größerer Lebendigkeit die Töne über mein Zwerchfell rieseln zu lassen. Meine Glieder wirbeln herum, im Rhythmus mitstampfend, in Begleitung mit dem Herausgreifen jedes einzelnen Tones, der meinen Rücken streckt und die Arme öffnet.

Glühend fließen Harmonien, ergreifen mich mit Leib und Seele, um das Glitzern um mich herum einzufangen. Mit einem pulsierenden Anspannen reagieren meine Muskeln, die sich bereits auf das Lösen zur unvorstellbaren Entspannung in der nächsten Sekunde freuen. Ich bin nicht mehr hier, ich bin überall, ich bin oben und unten, ich bin das Sein. Nie wieder loslassen, nie wieder aufgeben, nie wieder die Augen vor diesem unglaublichen, greifbaren Wunderbaren abwenden. Denn es heißt Leben, das unvorstellbare Lebendig-Sein des gewollten Einfangens, des um uns herum Befindlichen des Universums, das wir viel zu selten mit bloßen Händen ergreifen.

Nur ein tiefes Luftholen erscheint das Innere befreien zu können, um die Seele vor einem Entweichen in die Sterne zu retten, wo sie diesen Zustand für alle Ewigkeiten erfahren möchte. Denn wir lieben dieses Aufblühen mit jeder Faser, genießen es bis unsere Haut nur noch mit aufgerichteten Härchen die innere Erregung signalisiert. Wer will sich nicht mitreißen lassen?

Es ist die Hand meines Gegenübers, die mich an ein Erdensein bindet. Mit unglaublicher Energie knüpft sie unser Herz an das Hier und Jetzt und begleitet mich mit meinem freudigen Ruf des Glühens in die glitzernde Welt der Töne. Musik ist ein Geschenk für unsere erfahrene Seele und lässt sie dem Allumfassenden näher kommen.

Ein glückliches Empfinden sinkt durch unsere Handinnenflächen gleich schwebender Sterne, die uns das Versprechen entlocken, nie wieder diesen Himmel auf Erden zu vergessen. Er ist da, wollen wir ihn gemeinsam erfahren?

 

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[1] Joseph von Eichendorff, Mondnacht, 1837, 3. Strophe, Vers 1 und 2.

Hinweis zur Überschrift: Musikalischer Begriff, (ital.) lebhaft mit Feuer